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Innosuisse Förderung KI-Einstieg KMU

Innosuisse-Innovationsscheck für KI-Projekte: Der 15'000-Franken-Hebel für Schweizer KMU

CHF 15'000, zu 100 % finanziert, ohne Rückzahlung — für Schweizer KMU, die eine KI-Vorstudie mit einer Hochschule durchführen wollen. Wie der Innosuisse-Innovationsscheck 2026 funktioniert, was förderfähig ist und wie Sie den richtigen Forschungspartner finden.

Jannick Oberbeck · 16. April 2026 · 10 Minuten

CHF 15’000 — zu 100 % finanziert, keine Rückzahlung, für Schweizer KMU mit bis zu 250 Mitarbeitenden. Der Innosuisse-Innovationsscheck ist das wirkungsvollste Förderinstrument für den Einstieg in ein KI-Projekt, und gleichzeitig das am schlechtesten kommunizierte. In diesem Artikel steht alles, was Ihr Treuhänder, Ihr Berater und die offizielle Innosuisse-Seite in dieser Kombination nicht beantworten: wie das Instrument funktioniert, wo der Haken liegt, welche KI-Projekte förderfähig sind und wie Sie den passenden Forschungspartner finden.

Was der Innovationsscheck tatsächlich ist

Der Innovationsscheck (auch “Innovationsgutschein” oder “Innocheck”) ist ein Förderinstrument der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Die Eckdaten, Stand 2026:

  • Maximalbetrag: CHF 15’000
  • Finanzierungsquote: 100 % — Innosuisse übernimmt die vollen Kosten
  • Zweck: Finanzierung einer Vorstudie zu einer innovativen Idee
  • Anspruchsberechtigt: Schweizer Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen und einer UID-Nummer
  • Einschränkung: In den letzten 24 Monaten darf kein Innovationsscheck für die gleiche Organisation gewährt worden sein
  • Offizielle Quelle: innosuisse.admin.ch/de/innovationsscheck

Klingt einfach. Ist es auch. Aber es gibt einen Haken, den die offizielle Seite im Nebensatz erwähnt und der für 90 % der interessierten KMU-Chefs zum unerwarteten Showstopper wird.

Der Forschungspartner-Haken

Der Innovationsscheck geht nicht an das KMU. Er geht an den Forschungspartner.

Das heisst konkret: Sie als KMU können den Scheck nicht direkt bekommen. Sie müssen mit einer anerkannten Schweizer Forschungsinstitution zusammenarbeiten — in der Regel eine Fachhochschule (FH), eine Universität, die ETH, ein Forschungsinstitut wie Empa oder CSEM, oder ein anderer Forschungspartner aus dem Innosuisse-Partnernetzwerk. Dieser Forschungspartner erhält das Geld und führt die Vorstudie in Ihrem Auftrag durch.

Die praktischen Konsequenzen:

  1. Ohne Forschungspartner kein Scheck. Wer das nicht weiss, reicht ein Gesuch ein, das abgelehnt wird.
  2. Der Forschungspartner muss zum Thema passen. Eine FH für Soziale Arbeit hilft Ihnen bei einem KI-Projekt nicht weiter.
  3. Der Forschungspartner muss bereit sein, das Projekt zu übernehmen. FHs haben Kapazitätsgrenzen, besonders am Semesteranfang.
  4. Die Vorstudie ist Forschungsarbeit — nicht reine Umsetzung. Das heisst: Sie finanzieren Machbarkeitsabklärungen, Prototyping, Marktpotenzial-Analysen. Nicht den fertigen Produktiv-Betrieb.

Dieser letzte Punkt ist der Schlüssel. Der Innovationsscheck ist ein Werkzeug für den Einstieg in ein KI-Vorhaben — er finanziert die Frage “Lohnt sich das für uns?”, nicht die eigentliche Umsetzung. Für die Umsetzung gibt es andere Innosuisse-Programme, auf die wir später in diesem Artikel eingehen.

Für welche KI-Projekte der Scheck wirklich Sinn macht

Ein Innosuisse-Gesuch wird bewertet nach Innovationsgrad, Marktpotenzial und Machbarkeit. Für KI-Vorhaben in Schweizer KMU funktionieren drei Projekt-Typen besonders gut:

Typ 1: Machbarkeits-Studie für einen spezifischen Use Case

Sie haben einen konkreten Prozess im Kopf — z.B. die automatische Klassifikation eingehender Belege, eine KI-Assistentin für Mandantenkorrespondenz, oder eine automatisierte Offertenerstellung. Die Vorstudie klärt:

  • Ist das technisch mit aktuellen Modellen machbar?
  • Welche Datengrundlage braucht es?
  • Welches Modell (Claude, GPT, Mistral, AlpineAI, On-Prem) ist geeignet?
  • Wie sehen Qualität und Fehlerrate in einem Prototyp aus?
  • Welchen ROI können wir realistisch erwarten?

Deliverable typischerweise: ein Bericht plus ein lauffähiger Prototyp mit 50–100 Test-Daten. Perfekter Vorbereitungsschritt für ein anschliessendes Pilot-Projekt. Den Modell-Vergleich werden Sie dabei vermutlich anzapfen.

Typ 2: Technologie-Screening für einen Bereich

Sie wissen, dass in Ihrem Betrieb “irgendwas mit KI” gemacht werden sollte, aber nicht wo der beste Hebel liegt. Die Vorstudie deckt das systematisch ab:

  • Prozess-Mapping des aktuellen Betriebs
  • Identifikation der KI-relevanten Kandidaten
  • Priorisierung nach Aufwand und Nutzen
  • Empfehlung für die ersten drei Umsetzungs-Schritte
  • Risiko- und Compliance-Abschätzung (besonders relevant mit nDSG)

Deliverable: ein Strategie-Dokument mit priorisierter Roadmap. Wird zur Grundlage für die weiteren Investitionsentscheidungen des Unternehmens.

Typ 3: Prototyping für ein Produkt oder eine Dienstleistung

Sie wollen nicht interne Prozesse verbessern, sondern ein neues KI-gestütztes Produkt oder eine Dienstleistung entwickeln — etwa einen KI-Assistenten für Ihre Kunden, ein intelligentes Analysewerkzeug für Ihr Fachgebiet, oder eine automatisierte Offerten-Plattform. Die Vorstudie liefert einen Prototyp plus Marktabklärung.

Deliverable: Prototyp + Marktanalyse + Go/No-Go-Empfehlung.

Was der Innovationsscheck NICHT finanziert

Genauso wichtig: wissen, was nicht geht.

  • Reine Umsetzungsprojekte. Wenn Sie ein klares, ausgereiftes Konzept haben und “nur noch” bauen wollen, ist der Innovationsscheck nicht das richtige Instrument. Dafür gibt es bei Innosuisse das Programm der Innovationsprojekte, das grössere Summen finanziert.
  • Standard-Software-Einführungen. Die Einführung von Microsoft Copilot, ein Abacus-Update oder die Integration einer bestehenden CRM-Lösung sind keine Vorstudien.
  • Laufende Betriebskosten. API-Kosten, Lizenzgebühren, Personalgehälter nach Projektabschluss.
  • Schulungen und Workshops ohne klaren Forschungsanteil.
  • Projekte ohne substantiellen Innovationsgrad. “Wir wollen auch ChatGPT nutzen” reicht nicht — es braucht einen klaren Innovationswert.

Der Scheck ist explizit für die Phase vor der Umsetzung gedacht, nicht für die Umsetzung selbst.

Der Prozess Schritt für Schritt

Schritt 1: Prüfen, ob Sie anspruchsberechtigt sind

  • Organisation mit CH-Sitz
  • UID-Nummer vorhanden
  • Weniger als 250 Vollzeitstellen
  • Kein Innovationsscheck in den letzten 24 Monaten

Schritt 2: Die Projekt-Idee schärfen

Bevor Sie einen Forschungspartner ansprechen, brauchen Sie eine halbwegs klare Idee. Nicht bis ins letzte Detail, aber:

  • Was ist das Problem?
  • Was ist die vermutete Lösung?
  • Warum ist das innovativ?
  • Was wäre der Marktnutzen?
  • Welches Resultat erwarten Sie von der Vorstudie?

Ein guter Test: Sie können die Projektidee in 5 Sätzen einem Nicht-KMU-Chef erklären, und er versteht, worum es geht.

Schritt 3: Forschungspartner finden

Das ist der schwierigste Teil und wir widmen ihm gleich einen eigenen Abschnitt. Die Kernaufgabe: einen Partner identifizieren, der (a) fachlich zum Thema passt, (b) Kapazität hat und (c) bereit ist, das Projekt mit Ihnen zu bestreiten.

Schritt 4: Das Gesuch einreichen

Das Gesuch wird vom Forschungspartner eingereicht, über das Innosuisse-Portal. Typische Umfang:

  • Beschreibung der innovativen Idee
  • Kurzzusammenfassung der geplanten Vorstudie
  • Meilensteine und Deliverables
  • Kostenaufstellung (muss exakt den CHF 15’000 entsprechen)
  • Ihre Unternehmensangaben
  • Erklärung des Innovationsgehalts
  • Marktpotenzial-Einschätzung

Der Aufwand für die Erstellung: etwa 2–4 Stunden beim Forschungspartner, wenn Sie Ihre Idee klar formuliert haben.

Schritt 5: Die Entscheidung abwarten

Innosuisse entscheidet typischerweise innerhalb von 4–6 Wochen nach Gesuch-Eingang. Die Zusage (oder Absage) kommt schriftlich.

Schritt 6: Durchführung

Nach Zusage wird das Projekt in der Regel binnen 3–6 Monaten durchgeführt. Der Forschungspartner arbeitet mit Ihnen zusammen, Sie stellen die Daten, Zugänge und die fachliche Expertise Ihres Betriebs bereit.

Schritt 7: Abschlussbericht und Folgeprojekt

Am Ende steht ein Abschlussbericht, der an Innosuisse geht. Parallel stellen Sie intern die Frage: Was machen wir jetzt mit dem Ergebnis? In den meisten Fällen führt ein erfolgreicher Innovationsscheck direkt in ein Pilot-Projekt oder in ein grösseres Innovationsprojekt — entweder weiterhin mit Innosuisse-Finanzierung oder aus eigenen Mitteln.

Die richtigen Forschungspartner für KI-Projekte in der Deutschschweiz

Die Auswahl des Forschungspartners entscheidet über Qualität, Geschwindigkeit und Praxisnähe der Vorstudie. Für KI-Projekte in der Deutschschweiz sind diese Institutionen besonders relevant:

FHNW — Institut für Data Science

Breit aufgestellt bei angewandter Datenanalyse, Machine Learning und KI-Integration in KMU-Prozesse. Standort in Windisch/Brugg. Stark bei Treuhand-, Finanz- und Industrieprojekten.

HSLU — Applied Data Science

Mit Sitz in Rotkreuz und Luzern. Fokus auf ML-Anwendungen, NLP und spezifisch Gesundheits- und KMU-Themen. Guter Kontakt für KMU aus der Zentralschweiz.

ZHAW — Datalab / Centre for AI

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Breites KI-Spektrum, inklusive generative KI und Large Language Models. Starker Zugang zum Zürcher KMU-Netzwerk.

OST — Ostschweizer Fachhochschule

Fokus auf Industrie-KI und Technologie-Transfer. Besonders relevant für produzierende KMU und technische Dienstleister in der Ostschweiz.

ETH Zürich — D-ITET / D-MTEC

Für anspruchsvollere theoretische Projekte mit tiefer technischer Komponente. Eher für Hochschul-nahe KMU oder sehr spezifische Forschungsfragen geeignet. Höhere Hürde für rein praktische KMU-Vorhaben.

Empa und CSEM

Forschungsinstitute mit spezifischen Schwerpunkten — Empa bei Materialwissenschaft und Industrie, CSEM bei Mikrotechnologie und Sensorik. Weniger klassisch für KI, aber für Sonderthemen interessant.

Die praktische Herausforderung: Die meisten FH-Professoren haben keinen öffentlichen “Innosuisse-Ansprechpartner” auf ihrer Website. Der Einstieg läuft über informelle Kontakte, Empfehlungen, LinkedIn-Ansprache oder das Innosuisse-Partnernetzwerk selbst (innosuisse.admin.ch bietet ein durchsuchbares Verzeichnis).

Nach dem Scheck: die nächsten Programme

Der Innovationsscheck ist Schritt eins. Was danach kommt, hängt vom Ergebnis ab.

  • Bei positivem Ergebnis (Machbarkeit bestätigt): ein Umsetzungsprojekt, entweder aus eigenen Mitteln finanziert oder — bei grösseren Vorhaben — als Innosuisse-Innovationsprojekt mit Mitfinanzierung bis zu 50 % der Forschungspartner-Kosten.
  • Bei teil-positivem Ergebnis: ein neuer Innovationsscheck nach 24 Monaten für ein weiterführendes Thema.
  • Bei negativem Ergebnis: der vielleicht wichtigste Fall — Sie haben günstig gelernt, dass Ihre Idee so nicht tragfähig ist. CHF 15’000 Lerngeld, das Sie sonst aus eigener Tasche bezahlt hätten.

Der letzte Punkt wird oft übersehen: ein “gescheiterter” Innovationsscheck ist kein Verlust, sondern eine sehr effiziente Form der Risikoabsicherung. Besser in der Vorstudie-Phase für 15’000 eine klare Erkenntnis gewinnen, als im Umsetzungsprojekt für 150’000 scheitern.

Was wir dabei machen

Bei KI-KMU-Schweiz begleiten wir KMU durch den gesamten Innosuisse-Prozess:

  • Projekt-Idee schärfen: aus einer vagen Vorstellung (“wir sollten was mit KI machen”) einen konkreten, förderfähigen Projektentwurf machen
  • Matching mit dem passenden Forschungspartner: aus unserem Netzwerk in FHNW, HSLU, ZHAW und OST den Partner finden, dessen Expertise und Kapazität zu Ihrem Vorhaben passt
  • Gesuchs-Unterstützung: die fachlich-inhaltlichen Grundlagen für das Innosuisse-Gesuch vorbereiten, die der Forschungspartner dann formal einreicht
  • Projektbegleitung: als Schnittstelle zwischen Ihrem Betrieb und der Forschungsinstitution während der Durchführung — damit die Vorstudie praxisnah bleibt und nicht zum akademischen Selbstzweck wird
  • Transition ins Umsetzungsprojekt: nach der Vorstudie gemeinsam entscheiden, was als nächstes kommt — und dieses nächste Projekt dann auch umsetzen

Ehrlicher Hinweis: Der Innovationsscheck finanziert nur die Arbeit des Forschungspartners. Unsere begleitende Beratung (Matching, Gesuchsunterstützung, Projektsteuerung) läuft separat. Für viele KMU ist die Summe beider Komponenten immer noch deutlich günstiger als ein selbst organisiertes Projekt, weil der Innovationsscheck den teuersten Teil — die FH-Forschungsarbeit — vollständig abdeckt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der gesamte Prozess vom ersten Kontakt bis zum Projektabschluss? Realistisch: 6–9 Monate. Davon 4–8 Wochen bis zur Zusage durch Innosuisse, 3–6 Monate Durchführung.

Können wir den Innovationsscheck auch für interne Forschung ohne KMU-Anbindung nutzen? Nein. Das Instrument setzt genau diese Kombination aus KMU und Forschungspartner voraus.

Müssen wir während der Durchführung Zeit investieren? Ja, aber überschaubar. Typischerweise: 1–2 Workshops, mehrere kürzere Abstimmungsgespräche, Datenbereitstellung, fachliche Rückfragen — zusammen vielleicht 20–40 Stunden über 3–6 Monate, verteilt auf die Schlüsselpersonen.

Was passiert, wenn wir die Vorstudie vorzeitig abbrechen wollen? Sie brechen nie selbst ab — den Vertrag hat der Forschungspartner mit Innosuisse. Aber wenn das Projekt nicht wie geplant läuft, wird das mit dem Partner geklärt und bei Innosuisse begründet. Das ist selten, aber kein Drama.

Ist der Innovationsscheck zu versteuern? Die Mittel fliessen an den Forschungspartner, nicht an Sie. Es gibt also nichts zu versteuern. Das Ergebnis (der Prototyp, die Studie) ist geistiges Eigentum, das vertraglich geregelt wird — in der Regel bleibt es beim KMU.

Der nächste Schritt

Wenn Sie eine Projektidee haben, von der Sie glauben, dass sie mit KI gelöst werden könnte, aber nicht sicher sind, ob das technisch und wirtschaftlich machbar ist — dann ist der Innovationsscheck das richtige Instrument für Sie. Und wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, den passenden Forschungspartner zu finden, ist das ein exzellenter Grund, einmal in einem Erstgespräch gemeinsam zu sortieren, was Sinn ergibt.

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Weiterführend: Der ehrliche KMU-Leitfaden zum KI-Einstieg zeigt den strategischen Rahmen, die Compliance-Fibel zu nDSG und KI die datenschutzrechtliche Seite, und der Modell-Vergleich hilft bei der Tool-Auswahl.

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